Der Posteingang quillt über, die To-do-Liste wird immer länger und irgendwo zwischen zwei Terminen merkst du: Du beisst die Zähne zusammen – richtig fest. Schon wieder! Kommt dir das bekannt vor? Der Fachbegriff dafür lautet Bruxismus. Bei vielen Menschen bleibt er harmlos. Wenn du allerdings häufig oder kräftig presst und knirschst, kann das auf Dauer Spuren hinterlassen.
Wach oder im Schlaf
Beim Wachbruxismus presst du die Zähne tagsüber aufeinander oder spannst den Kiefer an. Das passiert dann, wenn du besonders konzentriert, angespannt oder genervt bist. Weil du wach bist, kannst du mit etwas Übung lernen, diese Momente schneller zu bemerken.
Schlafbruxismus läuft dagegen unbewusst ab. Stress kann dabei eine Rolle spielen, ist aber nicht die einzige mögliche Erklärung. Auch Schlafstörungen, bestimmte Medikamente sowie Alkohol, Koffein und Rauchen können damit zusammenhängen. Nächtliches Knirschen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Stress dahintersteckt.
Woran du es merken kannst
Schau genauer hin, wenn sich dein Kiefer morgens steif, müde oder druckempfindlich anfühlt. Auch Kopfschmerzen an Stirn oder Schläfen können dazugehören. Manchmal zeigen die Zähne, was nachts los war. Sie reagieren empfindlich, weisen deutliche Abriebspuren auf oder bekommen kleine Risse. Auch Füllungen können darunter leiden.
Und dann gibt es noch den Hinweis aus dem Nachbarbett, dass du nachts Krach machst. Nicht besonders romantisch, aber durchaus hilfreich.
Die Quittung für zu viel Druck
Überlastete Kaumuskeln können richtig wehtun. Die Schmerzen ziehen manchmal bis ins Gesicht, in die Schläfen oder in den Nacken. Vielleicht lässt sich dein Mund auch nicht mehr so weit öffnen wie gewohnt oder das Kiefergelenk knackt unangenehm. Wirken über längere Zeit starke Kräfte auf die Zähne, kann im ungünstigsten Fall sogar ein Zahn brechen. Erst kürzlich habe ich das bei einer neuen Patientin erlebt: Ein Zahn war der Länge nach gebrochen. Sie hatte weder auf etwas Hartes gebissen noch einen Unfall gehabt.
Natürlich steckt nicht hinter jedem gebrochenen Zahn Bruxismus. Was die Ursache ist, sollte deshalb immer genau untersucht werden.
Auch Kinder knirschen mit den Zähnen
Hörst du dein Kind regelmässig knirschen, achte mal auf seine Atmung: Schläft es häufig mit offenem Mund, schnarcht es oder bekommt es schlecht Luft durch die Nase? Dann solltet ihr nicht nur das Knirschen, sondern auch die Nasenatmung abklären lassen.
Ein weiterer Punkt ist die Bildschirmzeit. Ob sie Bruxismus direkt fördert, ist noch nicht eindeutig geklärt. Trotzdem lohnt sich ein Versuch: abends weniger Bildschirm, eine feste Schlafenszeit – und beobachten, ob die Nächte ruhiger werden.
Sprich uns an, wenn dein Kind häufig knirscht. Wir schauen uns die Zähne an und besprechen mit dir, ob weitere Abklärungen sinnvoll sind.
Lass mal locker!
- Liegen deine Zähne gerade aufeinander? Gönn ihnen etwas Abstand. In Ruhe sollten sich die Zahnreihen nicht ständig berühren. Eine Erinnerung am Bildschirm oder im Handy hilft: Kiefer locker, Zähne auseinander.
- Auch Atemübungen, Entspannungsübungen oder progressive Muskelentspannung sind hilfreich, um die innere Anspannung herunterzufahren. Was davon zu dir passt, darf ruhig unspektakulär sein. Hauptsache, du machst es regelmässig. Ein fester Schlafrhythmus kann ebenfalls guttun.
- Koffein, Alkohol und Rauchen können Bruxismus begünstigen. Du musst deshalb nicht gleich deinen Morgenkaffee verabschieden. Beobachte einfach einmal, ob weniger davon einen Unterschied macht.
- Ist dein Kiefer bereits gereizt, darf er vorübergehend Ferien von Kaugummi und sehr harten Lebensmitteln bekommen. Test mal, ob Wärme oder Kälte angenehm ist. Halten die Schmerzen an, kann auch Physiotherapie sinnvoll sein.
Was eine Schiene kann
Das Pressen oder Knirschen selbst verschwindet durch eine Schiene nicht automatisch.
Ob eine Schiene für dich sinnvoll ist, klären wir bei der Untersuchung. Wenn sie infrage kommt, wird sie passend für dich angefertigt und sorgfältig angepasst.
Du hast Fragen? Mach einfach einen Termin aus. Wir nehmen alles genau unter die Lupe und besprechen gemeinsam, was dich entlasten kann.
